10 – Berliner Mauer

16 11 2012

Die Berliner Mauer ist lang, ziemlich lang, und um genau zu sein war sie 167,8 Kilometer lang. Einmal um den Westteil Berlins.

Der zehnte Clip zu Berlin Bei Fuss beginnt am Strausberger Platz und umkreist den Brunnen zur Hälfte in der Nacht und einmal komplett am Tage mit sprudelnden Fontänen. Dabei blies der Wind das Wasser ständig aufs Objektiv und so musste ich schnell sein bei den Fotos, warum es ein wenig mehr wackelt, als es gut ist. Von dort aus geht es in den südlichen Friedrichshain durch die Plattenbausiedlungen. Es erscheint im Video nicht so, da es Nacht ist, aber es ist eine wirklich sehr hoch gebaute Gegend Berlins. Zudem sind beinahe alle Hinterhöfe mit Zäunen vor „Eindringlingen“ geschützt und die Wiesen jeweils mit Schildern versehen, auf denen durchgestrichene Hunde zu sehen sind, die kacken.

Nach dem Ostbahnhof, der nur von unter der Brücke zu sehen ist, kommt die East Side Gallery. Doch leider hat mir mein Videobearbeitungsprogramm einen Strich durch die Rechnung gemacht. Nicht nur, dass Bilder, die vor dem Screen von links nach rechts gezogen werden, völlig streifig werden und das Deinterlacen nicht hilft, es wurde auch erst nach einigem Knobeln klar, dass die Panoramabilder nicht breiter als 32800 Pixel breit sein dürfen. Wodurch die so schön vorgestellte Fahrt an der Mauer entlang, unmöglich wurde. Vorerst. Die 1,3 Kilometer der East Side Gallery werde ich noch als smoothe Fahrt präsentieren. Die Panoramabilder sind schon fertig und ich muss nur ein Programm und einen Rechner finden, auf dem ich den Clip anordnen kann.

Ansonsten ist es wunderbar, die Mauer in einem Stück zu sehen. Die Grenzmauer erscheint attraktiv und wurde als touristische Attraktion der Grausamkeit enthoben, die sie bedeutet hat. An anderer Stelle hat sie all ihre Präsenz eingebüßt und ist schlichtweg ein Pfad geworden. Dieser wird später noch zu sehen sein. Hier nur gilt der Pfad als Übergang nach Kreuzberg.

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Siegessäule im Tiergarten

31 10 2012

Die Siegessäule mit ihrer Goldelse ähnelt im Video einer entzückenden Spieluhr.

Das einst martialische Siegessymbol über Dänemark(1864), Österreich(1866) und Frankreich(1870/71) hat seine historische Bedeutung beinahe eingebüßt! Die goldenen Kanonen in den unteren drei Trommeln sind der pure Hohn. Sie waren Beute und statt sie wieder einzusetzen, wurden sie vergoldet. Herrlich! Golden wuchs die Siegessäule: eine vierte Trommel mit goldenen Girlanden kam dazu, als sie vom Königsplatz auf den Großen Stern 1938/39 verpflanzt wurde. Und dann die goldene Viktoria. Die sich vom Brandenburger Tor, als Wagenführerin aus Kupfer zu einer riesigen Bronze aufgeschwungen hat und einen Platz fand, an dem sie allein sein kann. So lässt es der Blues vermuten, der als Spieluhrmusik die Umrundung der Goldelse begleitet. Nur leider ist dem nicht so. Hoch oben gibt es eine Besucherplattform und die Aussicht ist herrlich.

Mit einer geradezu gleichmäßigen Geschwindigkeit ziehen die Wolken über die Säule hinweg. Zu Anfang scheinen die Wolken sich zu verlangsamen und von der anderen Seite, wenn die Kamera sich wieder von der Goldelse entfernt, fliegen sie davon.

Ein herzlicher Genuss, den ich mir immer wieder ansehe.





Tempelhofer Wolken

23 10 2012

Für mich ist es ein Genuss den Wolken zuzuschauen. Das Glück und der Wind kamen mir dabei sehr entgegen.
Eigentlich hatte es an dem Tag heftig geregnet und der Himmel blieb ständig grau. Doch zum Nachmittag lockerte die Wolkendecke auf und die Sonne brach ab und an durch. Das Licht in der gewaschenen Luft hatte seinen eigenen Reiz. Dazu kam noch der tobsüchtige Wind. Auf dem Tempelhofer Feld gab es keinen Platz mit Windstille. Das Stativ musste ich beschweren, damit es nicht kippt und doch wackelte das Bild. Darum sind die ersten Aufnahmen so unruhig.
Aber was beschwere ich mich. Alles, was danach kam, hat sich gelohnt. Die Wolken zogen tief hängend über das Feld und boten ein illustres Schauspiel. Und zum Ende war mir halt das Glück hold und der Himmel klarte auf. Die Wolken, die dann noch ziehen, sind vom Heizkraftwerk in Schöneberg. Der ansonsten völlig klare Himmel bot keine Überraschungen mehr und so schwenkte ich zurück zum Fernsehturm, wo zur Freude Flugzeuge im Hintergrund in Tegel landeten und Berlin, ach so geschäftig, als Metropole erscheinen lassen.





14 – und dann wieder Neukölln

16 09 2012

Es ist also vollbracht. Eine Runde in Berlin absolviert.

Der Unterschied der Bildqualität ist wahrlich ein Sprung. Sind die Bilder anfangs noch teils unscharf und farblich matt, wirken die letzten Aufnahmen ausgesprochen gelungen. Die Farben und das Licht sind tags und nachts spürbar stabiler und satt. Es gibt kein Flackern und kontrollierte Lichtwechsel, die der Aufmerksamkeit geschuldet das Schwarz im Rest des Bildes akzentuieren. Mir gefällt die Färbung des Abendhimmels über der Sonnenallee, wenn ich unter der Eisenbahnbrücke durch bin und die Straße überquert habe. Die langsame Wandelung drückt das Schwarz geradezu ins Bild.

Die letzten Bilder des Clips sind vom Anfang des ersten Films und daher beispielhaft verwackelt. Es wirkt beinahe entrückt anders, aber so dachte ich, wird nicht der Unterschied deutlich, sondern der Anschluss. Im Frühjahr begonnen, kaum belaubte Bäume und kalte Nächte, sind die letzten Bilder merklich begrünt und warm. Die Menschen tragen kurzärmlig oder kurze Hosen.

Es war mir ein Vergnügen und ich werde die ersten Aufnahmen verbessern oder ergänzen, so dass ich einen ganzen Film daraus machen kann. Jedoch keine Angst, es wird nicht so belastend, wie in den Clips. Dort trägt die Musik nur voran. Im Film soll es einen Sprecher geben, der nicht völlig gebunden an die Bilder liest oder erzählt. Es kommt, braucht derzeit aber noch Anlauf. Bis dahin ist die Runde vollendet, jedoch nicht das Projekt!

Demnächst kommt ein Weg durch Mitte, vom Bodemuseum zum Schlot, um eine Vorabinfo zu geben. Also etwas Geduld.





13 – Plänterwald Vergnügungspark

7 09 2012

Auf ins Grüne. Lust auf frische Luft im Wald.
Der Plänterwald ist groß und wild genug für dieses Vergnügen.

Von der Insel der Jugend starten wir mit einem Feuerwerk aufs Boot und ins sommerliche Treiben. Kinder, Kegel und Köter. Spaziergänger und fliegende Stöcker und endlich eine Baumdecke. Sattes grün von oben und durch die Wipfel schimmert Sonnenlicht auf den teils matschigen Boden.

Der stillgelegte Vergnügungspark ist ein zurückerobertes Stück Natur mit Schienen die die Spuren der Ausflügler zeigen, am Riesenrad vorbei, über grüne Teiche, durch Tunnel und Gebüsch, an gefallenen Dinosauriern vorbei und umrankten Fahrgeschäften.
Nur eine Etappe, denn es geht weiter in den Wald hinein. Nicht mehr nur gucken, sondern den Fährten nach, dicht am Boden entlang, unter dem niedrigen Laub der jungen Bäume. Ja, dort führt eine Spur entlang, eine Abkürzung zum Wasser.

Die Plansche unter freiem Himmel. Kein Freibad, kein Becken, nur alle 10 Minuten Fontänen, Duschen, Düsen und Schläuche, die Wasser für 10 Minuten speien. Hier rennen die Kidies nackt umher und sind in amüsanter Gesellschaft ganzer Kindergartengruppen aus verschiedenen KiTas in Treptow. Hier wachen aufmerksame Bademeister mit Sinn für Zeit. Hier gibt es Sonne, Wiese und Wasser auf warmen Asphalt. Eine Wonne.

Wir überwinden einen Zaun und sehen, dass das Vergnügen für die Jungs und Mädchen als Indianer oder Schaffner möglich ist, in einem dichten Wald hinter dem Holztippi um einen Baumstamm. Ideal, um Verstecke zu spielen und mit dem Stock Laub von den niedrigen Ästen zu schlagen. Unterholz liegt im Weg oder ein ganzer Baumstamm, der eine Lichtung geworfen hat. Ein hohes Blattschiff einer wäldlichen Kathedrale.
Hier ist der Wald spürbar. Moos hängt im morgendlichen Nebel, Tau im Vormittag und Dampf über dem Abend vom Spreeufer des nordöstlichen Waldrandes.
Wie viel Kinder in diesem Wald finden werden, kann der weitere Weg nur andeuten. So einige Weggabelungen schaffen so viele unerkundete Bereiche aus Strauchwerk, Schlupflöchern, Nestern, Schlangehäuten, Fraßresten und andere Wechselspuren. Alles dort ist völlig veränderlich! Ein Abenteuerparcour im grünen Dickicht.

Aber zurück zur Spree und noch einmal übersetzen. An der Polizei vorbei und dem Ruderverein.
Der Ausflug hatte seine Länge und so fällt die Nacht über uns. Doch wir schauen nur zu, es gibt keine Erschöpfung des Weges. Er führt erst noch nach Neukölln.





12 – Wunderbare Klimax im Treptower Park

19 07 2012

Manchmal ist mir das Glück einfach hold und in diesem Fall hatte ich den richtigen Tag und den richtigen Abend gewählt für ein illustres Ende des Films.

Der Treptower Park ist ein weitläufiger Hafengarten und der Anlass des belebten Abends war das Hafenfest. Eine Woche zuvor hatte ich die Aufnahmen über die Wiese hinweg gemacht und ein sehr kurzes Schrittmaß genommen. Um genau zu sein, eine Körperlänge. Unter mir hatte ich eine Decke und so bin ich vorwärts gepilgert.

Zuvor jedoch musste ich drei Mal zum sowjetischen Ehrenmal, um den „Befreier“ ins richtige Bild zu rücken. Erst bei wolkenfreier Nacht war es dunkel genug und ich konnte die Figur ohne „verbrannten“ oder überbelichteten Hintergrund fotografieren. Die Schwärze der Figur wird zu einem sanften Grau und durch das Rauschen verliert „Der Befreier“ an Härte.

Der Treptower Park ist nur ein Vorstation zum Plänterwald, der noch einmal gegensätzlicher nicht sein kann und zu Berlin passt, wie die Spucke in der Hand. Hand drauf.





3 – Hausen im Tiergarten

9 03 2012

Ich stresse die Kamera ziemlich und es ist einem Freund zu verdanken, dass ich diese Fotos überhaupt machen kann. Ihm ist an dieser Stelle mal ordentlich jedankt, kräftig die Hand jeschüttelt und „Danke“ jesagt. Dit is allit für Dich. Die janzen Filme. Eene Runde Berlin für den unter meinen Freunden, die Berlin so richtig duffte machen. „Support

Ein winziger Park, dessen Reiz nicht wirklich gezeigt wird, dieser liegt neben der Strecke, bringt mich das erste mal in Verlegenheit. Ein Mann fragte, kurz bevor er ins Bild käme, ob es eine Fotodokumentation sei. Ich bejahte und er stellte sofort laut in Frage,  ob er in so einem Film auftauchen will. Ich erwiderte seiner Begleitung, ob er denn wolle, dass sein Hintern retuschiert werden müsse. Woraufhin diese Frau so lauthals lachte, dass er ohne Worte weiter ging, sie in Begleitung. Sie redeten ganz normal weiter, als sei nichts gewesen. Sympathisch.

Eine kleine Rutsche in der Nähe des Potsdamer Platzes, pff, nicht wirklich lustig. Auch das Wetter war nicht gerade brillant, aber die Bildeffekte laden ein zu gucken. Sie machen den Tiergarten so sanft. Im Gebüsch, nördlich der Louiseninsel fand sich neben Tiergartengewässer ein Schläfer, auf schmalen Wegen, mit einem Fahrrad, lag er da unter einer gespannten Plane auf der Bank. Zu meinem Bedauern wurde er von mir geweckt, doch ließ er sich mit den kurzen Worten beruhigen. „Ich will Dir nix, ick mach nur Fotos.“

Und wie soll es anders sein, das Zentrum des Tiergarten ist die Siegessäule, die ich erst mehrmals umrunden wollte, doch dann blieb ich lieber dabei weiter zu gehen und am Bellevue vorbei, ohne wirklich einen Blick darauf zu werfen. Denn die schwangere Auster ist viel interessanter, oder auch Haus der Kulturen der Welt genannt.

Meine Kultur in der Nacht im Tiergarten, war die des Alkohols. Der Vorteil ein Stativ zu brauchen, heißt, positionieren, zielen und los lassen. Mit dem Fernauslöser kann ich gar nicht zu dolle auf den Auslöser drücken. Wunderbar. Diese Arbeitsbedingung habe ich mir ausgesucht und sie gönnte mir eine Leichtigkeit, Bilder einfach zu machen. Doch bei 5 sec Wartezeit für ein Bild, vergeht die Zeit einfach mal anders. Trinkend fing für mich jedenfalls der Morgen an. Ich war im Arsch. Die Temperaturen lagen immer um 3° und es war nass-windig. Ein Hoch auf die beflügelnde Wärme eines Rotweins in kalter Dämmerung. Ich muss wohl zu fröhlich für die zwei Polizisten gewesen sein. Doch sie ließen mich letztlich gehen, da ich keinen Ausweis dabei hatte. Ich hatte nix gemacht und ich wollte ihnen nix tun. Also kam ich davon, ich weiß auch nicht: ich sagte ihnen nur immer wieder laut meinen Namen. Die beiden sahen mir bestimmt beim Gehen nach, dieses Bild hat mich nicht mehr interessiert zu fotografieren. Ich bin zum Potse und aufs Fahrrad gestiegen. Die nächste Erfahrung, die ich mache, ist ein Stoff auf meiner Wange und Licht. Ich bin in Unterhose und Daheim. Geil!

Die letzten guten Bilder bei dem Nachtlauf waren die vor der schwangeren Auster und das Wetter des Tages entsprach dem der Nacht. Also ging es gleich wieder los. „Denn im Liegen hört der Kater nicht auf.“ Aber es war auch ein besseres Ende für den Clip, als eben ein Bild auf der Seite liegend, zwei Drittel Rasen und ein unscharfer Reichstag…